Gesellschaft
Gesellschaft in Hongkong - Familie heilig, Singles häufig
Die Familie genießt in Hongkongs Gesellschaft einen sehr hohen, wenn nicht sogar den höchsten Stellenwert. Ähnlich wie im chinesischen Mutterland leben oft drei Generationen unter einem Dach und formen eine ganz andere Familie, als wir sie aus Europa kennen.
Die Familie in Hongkongs Gesellschaft ist definitiv enger und intimer als Familien in Europa. Familienleben ist Privatsache und somit ein Tabu als Gesprächsthema auf der Arbeit oder bei Kollegen. Im Büro wird sehr selten über Familienthemen geplaudert, es sei denn, ein Kind eines Mitarbeiters hat einen Wettbewerb gewonnen oder ein Familienmitglied ist gestorben. Die Familie in Hongkong besteht typischerweise aus den Großeltern, Mutter und Vater sowie häufig einem Kind.
Eine Gesellschaft auf engem Raum
In Hongkong gibt es keine Einkindpolitik und jede Familie darf so viele Kinder haben, wie sie möchte. Allerdings zeigen die Geburtenraten, dass viele den Wunsch nach einem zweiten oder dritten Kind wegen finanzieller Engpässe nicht verwirklichen. Die Kinder leben gemeinsam mit den Eltern, den Großeltern und vielleicht sogar noch einer Haushaltshilfe auf engstem Raum. Das bedeutet oftmals nur etwa 50 Quadratmeter für sechs Personen. Besser gestellte Familien haben natürlich mehr Platz; die Kinder haben in diesem Fall jeweils ein eigenes Zimmer. Ansonsten ist es oft so, dass alle in einem Raum schlafen oder die Großeltern mit den Kindern in einem Raum nächtigen. Für uns sind das unvorstellbare Verhältnisse, aber für Hongkongs Gesellschaft ist das völlig normal.
Der Samstag und der Sonntag gehören in der Gesellschaft Hongkongs der Familie. Hier werden oft gemeinsame Dinge unternommen und das Yum Cha - also das Dim Sum Mittagessen - wird zur Großveranstaltung für alle Familienmitglieder. Die Restaurants und Touristenattraktionen sind daher am Wochenende besonders voll, weil sich auch viele Hongkong-Familien ins Bild mischen. Innerhalb der Familie herrscht eine strenge Arbeitsteilung und Hierarchie. Oft haben die Großeltern das Sagen und die Kinder und Kindeskinder bezahlen den Großeltern Geld für die Rente oder eine Art Wohngeld. Die Finanzen liegen entweder bei der Oma oder der Mutter des Hauses. Die Kindererziehung ist ebenfalls Omas Aufgabe. Mutter und Vater sind mit dem Geldverdienen beschäftigt. Der Opa trifft sozusagen strategische Entscheidungen oder hilft beim Kochen. In vielen Familien kochen die Männer und nicht die Frauen. Allerdings spielt Opa auch gern Mahjong oder schaut TV. Der Mittelpunkt des Familienlebens ist in der Gesellschaft Hongkongs oftmals der Fernseher.
Singles in Hongkongs Gesellschaft
In Hongkongs Gesellschaft gibt es viele Singles und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen: Viele Ausländer kommen alleine, um zu arbeiten. Andererseits sind viele Hongkong-Chinesen allein, weil sie noch mit der Familie zusammenleben und Zusammensein mit drei Generationen oft nicht einfach ist. Viele westliche Ehen gehen in Hongkong auseinander, weil der westliche Mann seine Ehefrau mit einer Chinesin betrügt. Gemischte Partnerschaften waren eher selten, nehmen aber in letzter Zeit zu. Die Angst der chinesischen Familie, einen Ausländer in den eigenen Kreisen zu haben, ist leider tendenziell immer noch groß. Wer seinen Single-Status ändern und eine wie auch immer geartete Beziehung eingehen möchte, hat es in Hongkongs Gesellschaft nicht sonderlich schwer. Hongkong ist sehr kommunikativ. Es herrscht oft eine lockere Atmosphäre bei der es leicht fällt, Bekanntschaft oder Freundschaft zu schließen. Aufpassen sollte man allerdings bei Beziehungen, die sich ausschließlich über die Sexualität definieren. Es gibt einige Chinesinnen aber auch Indonesierinnen oder Philippinas, die schnell mit Ihnen zusammenleben möchten, eine Familie aufbauen möchten und heiraten möchten. Doch ist das Liebe? Manchmal ja, manchmal nein. Es gibt solche Partnerschaften die sehr unglücklich in Ehescheidung geendet sind aber auch genauso viele glückliche Beziehungen, bei denen aus körperlicher Liebe später eine Partnerschaft mit allem Drum und Dran wurde.
Männer und Frauen
Frauen und Männer genießen in Hongkong ähnlich hohes und gutes Ansehen. Man kann hier nicht von einer Männer- oder Frauengesellschaft sprechen. Frauen stellen etwa 56 Prozent der Bevölkerung in der Gesellschaft Hongkongs: Tendenz steigend. Das spiegelt sich auch in der Politik und im Wirtschaftsleben wieder. Nicht wenige Frauen haben einflussreiche Positionen in Hongkong und es gibt mitunter mehr Ministerinnen als Minister. Global agierenden Konzernen stehen Frauen als CEO vor. In den Familien obliegt den Frauen die Finanzplanung. Männer stehen oft am Herd und kochen. Bei den Einkommen herrscht teilweise dann aber doch noch ein geringer Unterschied zwischen Männern und Frauen: zugunsten der Männer. Die Väter kümmern sich oft mehr um die Arbeit als die Mütter. Familie ist also auch in Hongkong etwas mehr Frauensache. Ansonsten lassen sich die Damen in Hongkong nicht die Butter vom Brot nehmen, das werden Sie spätestens sehen, wenn Sie die erste Verhandlung mit einer Hongkong-Chinesin führen oder mit einer befreundet oder sogar verheiratet sind.
Homosexualität in der Gesellschaft
Homosexualität war bis vor wenigen Jahren in Hongkongs Gesellschaft noch strafbar und von der Gesellschaft verpönt. In China ist Homosexualität heute immer noch strafbar und darf nicht öffentlich gezeigt werden. Seit dem Jahr 2000 lässt sich allerdings eine dramatische und positive Veränderung in der Hongkonger Gesellschaft feststellen. Schwule waren anfangs nur auf Saunen und einige wenige Clubs in Central angewiesen. Dort konnte man sich ohne Probleme kennen lernen, allerdings durfte man damals nicht öffentlich Hand in Hand auf der Straße herumlaufen. Später - etwa im Jahr 2003 - kamen zu den bestehen Bars ein paar mehr hinzu und die Angebote für Schwule wuchsen. Plötzlich existierten Diskos für sie, Bars, Clubs, Saunen, Massagesalons... Mittlerweile werden Schwule in der Gesellschaft Hongkongs toleriert. Im westlichen Teil von Central rund um das Sohogebiet hat sich eine Art Schwulenszene gebildet, in der man jetzt auch offen seine gleichgeschlechtliche Liebe zueinander zeigen kann. Offene Homosexualität ist dennoch unerwünscht von der Gesellschaft und so sieht man fast nie Händchen haltende Männer oder Frauen auf den Straßen. Aufgrund der zunehmenden Offenheit in der Sexualität ist es leider in den vergangenen Jahren zu einem sprunghaften Anstieg der HIV-Neuinfektionen gekommen. Neben Homosexuellen, die sich oft durch ungeschützten Verkehr in Saunen anstecken, sind es auch Ehemänner aus Hongkong, die sich in China angesteckt haben. Die Regierung hat daher vermehrt Kampagnen für HIV-Prävention gestartet und Informationsstellen oder Zentren für kostenlose HIV Tests aufgebaut.
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